Samstag, 4. Februar 2017

Die Westküste der Südinsel

Heute melde ich mich wieder mal mit einem langem Eintrag mit vielen Fotos. Ich weiß, das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her, aber wir waren die letzten anderthalb Wochen ziemlich in der Pampa unterwegs, da war nichts mit Empfang oder gar WLAN. Wie bereits im letzten Post erwähnt, haben wir uns ja dazu entschieden, erstmal die Westküste der Südinsel zu erkunden. Aber bevor ich mit unseren Erlebnissen und Eindrücken anfange, gibt es hier erstmal eine Karte zum besseren Verständnis:


Diese Karte ist übrigens ein fabelhaftes Abbild der Infrastruktur. Die sichtbaren Linien stellen sosalle ziemlich alle Verbindungsstraßen der Südinsel dar, was bedeutet dass man mitunter ganz schöne Umwege fahren muss, einfach weil ein Gebiet nicht erschlossen ist. Das liegt zum einen an den vielen Bergen hier und zum anderen an den ganzen Nationalparks. Und dass seit dem Erdbeben der Statehighway 1 zwischen Blenheim und Christchurch (an der Ostküste zu finden) komplett außer Betrieb ist, macht die Sache auch nicht besser. Aber zurück zum Thema.
Also, unser Ausgangspunkt ist Westport, ein Ort an der roten Linie die die Westküste entlangführt. Er liegt ziemlich weit nördlich an einer kleinen Spitze. Von da aus sind wir letzte Woche zur Erkundung der Westküste gestartet. Der erste Stopp war keine halbe Stunde entfernt, nämlich das Cape Foulwind. Das ist der Zipfel an dem Westport liegt, und dort ist eine Seehundkolonie beheimatet. Wir haben sogar die perfekte Jahreszeit erwischt und kleine Babys zu Gesicht bekommen. Außerdem sind wir noch ein bisschen einen Küstenweg langspaziert, der uns zu einem alten Leuchtturm gebracht hat.

 Seehunde entspannen in der Sonne

 Eine Mutter mit ihrem Junge

 Der Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert

Die heimlichen Stars Neuseelands

Ja, Schafe sind wirklich die heimlichen Stars hier. Es tummeln sich nämlich unglaubliche viereinhalb Millionen Stück auf den Feldern Neuseelands, was dazu führt, dass man sie überall antrifft. So eben auch auf einem Küstenwanderweg.
Naja, nachdem wir uns die süßen Seehunde angesehen hatten, ging es dann weiter zu den sogenannten Pancake Rocks. Die heißen so, weil sie aus unzähligen übereinanderliegenden Lagen aus Stein bestehen und deshalb mit etwas Fantasie aussehen wie gestapelte Pancakes. Glaubt ihr mir nicht? Bitte, überzeugt euch selbst.

 Die Pancake Rocks

 Ein anderer Teil der Formation

Ausblick aufs Meer

Der nächste Stop war Greymouth, die größte Stadt der Westküste (die zweite nach Westport auf der Karte). Dort waren wir aber nur einkaufen, die Stadt selbst war nicht wirklich schön. Nach Greymouth ging es weiter nach Hokitika, eine Stadt die für zwei Dinge bekannt ist. Zum einen ihren Jadeschmuck, den man in unzähligen Läden teuer erstehen oder sich individuell anfertigen lassen kann, und zum anderen ihre Strandkunst. In Hokitika wird jede Menge Treibholz an Land gespült, und die Leute haben im Laufe der Zeit die Gewohnheit entwickelt, damit Kunstwerke zu bauen. Das meißte ist aber von normalen Leuten gebaut, also nichts großartig herausstehendes. Besonders wird es dadurch, dass so viele Leute mitmachen, dass es mitunter richtige “Ausstellungen“ zu bewundern gibt. Wir durften uns den “Goldrausch“ ansehen, und es war wirklich ziemlich lustig. Aber die größte Attraktion am Strand ist der mannshohe Name der Stadt, ebenfalls aus Treibholz gebaut und wetterfest gemacht. Da die Sonne abends über dem Meer dort untergeht, ist das ein sehr beliebtes Fotomotiv. Wir durften übrigens auch einen wunderschönen Sonnenuntergang bewundern.

 Der Eingang zur Ausstellung

 Muschel- und Steinkunst

 Die berühmten Holzbuchstaben

 Sonnenuntergang

Kurz nach dem Sonnenuntergang

Nach dieser schönen Küstenstadt stand für uns als nächstes ein regelrechtes Highlight an, nämlich der Besuch von Neuseelands beiden berühmtesten Gletschern. Zuerst war der 10 km lange Franz-Josef-Gletscher dran (benannt von einem deutschen Entdecker nach dem damaligen österreichischen Kaiser). Da der Gletscher selbst nur mit Helikopter oder geführter Wanderung begehbar ist und man nichts davon für unter 200 Euro bekommt, haben wir uns dazu entschieden nur eine Tageswanderung zu einer Aussichtsplattform zu machen. Das hat sich letztendlich als ziemliches Abenteuer herausgestellt, weil der “Weg“ in der zweiten Hälfte gar nicht vorhanden war und man stattdessen über sehr rutschige Felsen steil bergauf klettern musste. Dementsprechend habe ich dann auch einen Bilderbuchsturz vollführt, während Anni in einen kleinen Teich gerutscht ist. Aber außer ein paar blauen Flecken haben wir keine Schäden davongetragen, keine Sorge.
Bei der Wanderung haben wir übrigens auch mehrere Hängebrücken überquert, weswegen wir die 10 Dollar Eintritt für die Hängebrücke vorletzte Woche bereut haben. Also, wenn ihr je nach Neuseeland fahrt, gebt kein Geld für Hängebrücken aus. Die gibt es auch für umsonst.
Nach 3 Stunden Kletterei sind wir dann bei der Aussichtsplattform angekommen und hatten tatsächlich auch eine sehr schöne Aussicht auf den Gletscher und sein Tal. Anni war beigeistert.

Blick auf das Gletschertal von weitem

Am Anfang des Tages

Der Wanderweg

Die erste Hängebrücke

Das Gletschertal mit dem Fluss

Eine unserer Flussüberquerungen

Anni vor dem Gletscher

Der zweite Gletscher den wir besucht haben war der Fox Gletscher. Der ist nicht so groß wie der Franz-Josef-Gletscher und sah auch nicht so beeindruckend aus, weil seine Eisfläche zu einem großen Teil so schmutzig war, dass man sie gar nicht erkannt hat. 

Der Fox Gletscher (das Eis beginnt bei dem Bergbach)

Der Weg durch das Gletschertal

Der blaue Zufluss mischt sich mit dem grauen Gletscherfluss

An dem Tag hat es dann nachmittags angefangen wieder wie verrückt zu regnen, und das hat sich auch den ganzen nächsten Tag nicht geändert. Dadurch wurden wir beim Autofahren Zeugen von extrem starken Wasserfällen direkt am Straßenrand.

Das war noch einer der schwachen

Ein Wasserfall weiter weg, aber trotzdem eindrucksvoll

Das war dann auch schon das Ende unserer Westküstentour. Wie man auf der Karte gut erkennen kann, geht nämlich ab Haast keine Straße mehr an der Küste entlang. Das liegt daran, dass dort die ganzen Fjorde beginnen und das ganze Gebiet zusätzlich noch ein Nationalpark ist. Naja, wir sind jedenfalls südöstlich weiter nach Wanaka gefahren. Bevor wir dort angekommen sind, waren wir aber noch bei sogenannten Blue Pools. Von denen waren wir aber ziemlich enttäuscht, weil sie erstens gar nocht blau, sondern vielmehr grün, und zweitens gar nicht poolförmig waren. Aber der Anblick war natürlich trotzdem schön.

Die Blue Pools

In Wanaka angekommen (zu finden auf der unteren Hälfte der Karte ziemlich mittig) haben wir uns die Stadt angesehen und sind anschließend auf einen Berg in der Nähe gestiegen. Von dort hatte man einen fantastischen Ausblick auf den Lake Wanaka, einen wunderschön blauen, ziemlich großen See.

Anni auf dem Gipfel

Die Berge rundherum

Panoramablick vom Gipfel

Nach Wanaka ging es dann weiter Richtung Nordosten nach Omarama und von dort gleich weiter nach Oamaru (an der Ostküste etwas über Dunedin). Auf dem Weg dahin haben wir auch Lindis Pass überquert, einen 971 Meter hohen Gebirgspass. Auch wenn die Farbe der Landschaft etwas trostlost war, die Aussicht war trotzdem beeindruckend.

Blick von der Spitze des Passes

In Oamaru angekommen waren wir sehr überrascht über die schöne Architektur der Stadt. Hier gibt es tatsächlich Gebäude die nicht nur einfach zweckmäßig sind, sondern auch einfach schön aussehen, mit beinahe südländischer Bauweise. Zu der Architektur passt auch der Lebensstil der Einheimischen. Ich weiß wirklich nicht wie ich das beschreiben soll. In dieser Stadt leben anscheinend alle exzentrischen Neuseeländer. Es gibt einen Haufen Läden mit äußerst alternativen Inhalten, von Retrogothklamotten über Strickomas bis hin zu Sammlungen altertümlicher Puppen und Geschirre. Um das richtig zu begreifen muss man es wirklich gesehen haben.

Eine der schönen Straßen

Einer der schrägen Läden

Als ob das noch nicht genug wäre, hat diese Stadt außerdem noch zwei Pinguinkolonien zu bieten. Das klingt aber erstmal toller als es eigentlich ist. Die Pinguine zeigen sich nur sehr selten und wenn man nah heran will, muss man dafür ordentlich Eintritt bezahlen. Wir haben ein paar Pinguine gesehen, aber nur von weitem, weswegen die Bilder nicht so gut geworden sind.

Das Pinguinstraßenschild

Der Pinguinstrand

Wenn man genau hinguckt, kann man einen erkennen

Zwei Pinguine abends am Hafen

Der Hafen im Dämmerlicht

Aller guten Dinge sind drei, und es gibt tatsächlich noch ein drittes Highlight dieser Stadt. Sie ist bekannt für Hochräder, warum auch immer. Man sieht immer mal Leute damit herumfahren und es gibt auch ein Rad auf dass man sich setzen und Fotos machen kann.

Ich auf dem Hochrad

Aber obwohl es in dieser Stadt schon ziemlich viel zu sehen gibt, gehen uns langsam die Ideen aus. Wir sind nämlich schon seit Donnerstag Nachmittag hier und sitzen noch bis Dienstag hier fest. Unser Auto benötigt ein paar kleine Reparaturen um den TÜV zu bekommen und die Werkstatt hat uns erst für Dienstag einen Termin geben können, weil Montag hier ein Feiertag ist. Also, bis Dienstag sitzen wir noch hier, aber danach geht's dann weiter nach Dunedin. Wir werden als nächstes den restlichen Süden erkunden, bevor es dann weiter nach Norden geht. Aber dazu mehr beim nächsten Mal.

Liebste Grüße von uns beiden!

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